Blinde Nacht / Eigenproduktion

Blinde Nacht

von Simon Kronberg

Eine Produktion von TheaterArche

Uraufführung: am 19. Dezember 2019

Termine:
19. 20. 21. 22 Dezember um 19:30

Es spielen: Elisabeth Halikiopoulos, Eszter Hollósi, Anna Nowak, Barbara Schandl, Bernhardt Jammernegg, Andreas Kosek, Christoph Prückner

Inszenierung: Christoph Prückner

 

Teaser

Wem die „Stille Nacht“ zu schrill in den Ohren klingt – für die oder den ist die „Blinde Nacht“ von Simon Kronberg vielleicht eine willkommene Alternative. Kein fadenscheiniger „Friede auf Erden“, sondern blinder Haß ist es, der sich da in der Nacht vor Heiligabend entlädt. Blutrausch statt Kaufrausch – nicht nur der Christbaum brennt in diesem Stück über ein Pogrom zur Weihnachtszeit.

Ein explosives Drama des (zu Unrecht vergessenen) jüdischen Wiener Autors Simon Kronberg – eine längst fällige Wieder-Entdeckung!

 

Weihnachten – aus jüdischer Sicht…

„Das ist ein Weihnachtsgedanke: einer Jüdin wurde ein Kind geboren. Der Jude Jesus wurde unentwegt, immerzu gekreuzigt. Er wurde davon nicht schöner. Im Bild des Messias geistert er wie ein stets unwillkommener Bettler durch die Völker und Länder…“

Das schrieb der 1891 in Wien geborene jüdische Autor Simon Kronberg.

1941, im Exil in Palästina, verfaßte er ein „Weihnachtsstück“ mit dem Titel „Nittel – Blinde Nacht“.

 

Über das Stück

Die Bevölkerung eines Dorfes lebt in einem Dauerstand der Furcht – vor allem, was unbekannt ist, anders oder fremd. Und speziell in abergläubischer Angst vor bösen Dämonen, die angeblich in der Nacht vor Weihnachten ihr Unwesen treiben. Einige Außenstehende nützen die angespannte Stimmung geschickt aus, um im Ort den verdeckten Antisemitismus der christlichen Bevölkerung zu wecken. Irrationale Phantasien und Machtspiele gipfeln in einer Massenhysterie, die sich schließlich gegen die einzige jüdische Familie der Gemeinde richtet…

 

In dieser Nacht vor heiliger Nacht – noch ist der Heiland nicht geboren.

Da haben die Juden die Macht. Am heilig Abend erst sind sie gebannt…

 

 

Hintergründe

An seine Ex-Frau Herta schreibt Kronberg nach Berlin: „Ich schicke Dir zu Weihnachten ein Weihnachtsstück von mir, ‘NITL’ (so heißt bei den Juden die Nacht vor Weihnachten). Den Juden war in dieser Nacht das Lernen (das Beschäftigen mit der Lehre) verboten. Wahrscheinlich hatten sie gerade in dieser Nacht am meisten zu fürchten und durften sich deshalb im Lernen nicht vergessen….“

Gedacht war „Nittel“ – mit dem zweiten Titel „Blinde Nacht“ – als ernste Warnung an die noch in Österreich und Deutschland gebliebenen Juden: Auch wenn ihr glaubt, „es kann nicht mehr schlimmer kommen“ – auch wenn ihr denkt, ihr seid doch schon „vollkommen assimiliert“ (heute würde man sagen: „integriert“…) – sie werden euch trotzdem immer hassen und verfolgen – also geht weg, solang es noch nicht zu spät ist…!

 

Message

„Blinde Nacht“ ist das österreichisch-jüdische Pendant zu Arthur Millers „Hexenjagd“.

Wenn auch ursprünglich für ein jüdisches Publikum geschrieben, ist „Blinde Nacht“ doch auch, und gerade, für ein nichtjüdisches Publikum ebenso relevant – und kann aktueller kaum sein.

Scharfsichtig und schonungslos legt das Stück die Mechanismen bloß, die zu Fremdenhaß, Ausgrenzung, Antisemitismus führen – und zeigt, wie aus Existenzangst, Aberglauben, Unkenntnis und Desinteresse, und dumpfem „Wir-sind-wir“-Gefühl, aufgeheizt durch geschickte politische Manipulation, eine explosive Mischung entstehen kann, die sich letztlich in blinder Gewalt entlädt.

 

Über den Autor

Der österreichisch-jüdische Schriftsteller Simon Kronberg (* 26. 6. 1891 Wien – 1. 11.1947 Haifa), geboren und aufgewachsen in der Leopoldstadt, geht mit 22 Jahren nach Deutschland, studiert dort Schauspiel, Gesang und Phonetik und veröffentlicht in Berlin literarische Texte. Er war überzeugter Zionist und emigrierte 1933, unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung, als Leiter einer Jugendgruppe nach Palästina, arbeitete dort als Schumacher in einem Kibbuz sowie als Chorleiter für Erwachsene und schrieb Erzählungen, Gedichte sowie zahlreiche Theaterstücke – bei uns so gut wie alle noch ungespielt…

 

Uraufführung

Und immer hat der Autor sich gewünscht, „Blinde Nacht“ einmal in Österreich aufgeführt zu sehen – eine Hoffnung, die Kronberg Zeit seines Lebens und bis heute verwehrt geblieben ist. Nach einer Leseaufführung im Dezember 2019 mit dem Ersten Wiener Lesetheater (ebenfalls unter der Leitung von Christoph Prückner) ist dies die erste szenische Aufführung des Dramas, nicht nur in Österreich, sondern höchstwahrscheinlich auch weltweit.

 

Reservierung: https://www.theaterarche.at/kontakt/

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Datum

Dez 19 2019 - Dez 22 2019

Uhrzeit

19:30
Kategorie

Die TheaterArche ist ein offenes Theater als Spiegelbild einer offenen Gesellschaft, ein Theater das den raschen gesellschaftlichen Wandel im Wien des 21. Jahrhunderts widerspiegelt. Die TheaterArche versteht sich als unabhängige Plattform zur Künstlervernetzung und Kunstproduktion, über alle gesellschaftlichen und kulturellen Gräben hinweg.

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