DIE SCHAMLOSEN

 

DIE SCHAMLOSEN

Szenische Collage über Schein und Sein

nach Daniil Charms

 

Mit großer Spielfreude nimmt sich das  interdisziplinäre Ensemble um den großen Fundus einzelner Fragmente Charms‘schen Schaffens an. In einer Collage einzelner Szenen errichten die Schamlosen ein Universum menschlichen Mühens und Scheiterns, das über Absurdität und Komik hinaus ein Stück Lebensweisheit und Empathie für den vergeblich um Sinngebung des Lebens bemühten Menschen bietet. Unterhaltsam, unverblümt, schamlos!

DARSTELLER*INNEN:

Valerie Anna Gruber, Alena Hermann, Eszter Hollósi, Elisabeth Kofler, Astrid Perz, Charlotte Zorell, Nicolaas Buitenhuis, Max Glatz, Florian-Raphael Schwarz, Maksymilian Suwiczak

IDEE, REGIE und DRAMATURGIE:

Nagy Vilmos

REGIEASSISTENZ:

Odilia Hochstetter, Corinna Orbesz

GRAPHICS:

Christoph Raffetseder

AUSSTATTUNG:

Odilia Hochstetter und Ensemble

GITARRE:

Maksymilian Suwiczak

TECHNIK und BÜHNE:

Jakub Kavin, Bernhardt Jammernegg

SPIELDAUER: ca. 120 Minuten mit einer Pause

Spielzeit:

Premiere: am 24.5.2021 19.30 Uhr

WEITERE VORSTELLUNGEN: 25.,26.,27.,28.,29. und 30. Mai 2021 jeweils 19.30 Uhr

 

 

 

ZUM STÜCK.

Daniil Charms, 1905 als Daniil Ivanovic Juvacev in St. Petersburg geboren, lebte in bewegten Zeiten. Vom zaristischen Russland über die bolschewistische Revolution zum Stalinismus bis zu den beiden Weltkriegen verband die wechselnden Regime vor allem eines: das Unverständnis gegenüber einem freien, kreativen Geist und Verfolgung der Künstler, diese Schamlosen.

Als Mitglied der Literarischen Avantgarde „Oberiu“ brach Charms mit den Gesetzmäßigkeiten etablierter Kunst, und verweigerte sich der vom klassischen Theater geforderten Einheiten von Zeit, Handlung und Ort. Die Kunst war sein „Fenster“, durch das die Lächerlichkeit alles dessen sichtbar wurde, was die Leute für selbstverständlich halten.

Er erfasste das Ausgeliefertsein, die Herabwürdigung auf das Materielle und die Entseelung der Existenz durch das Schaffen einer fiktionalen Welt automatisch funktionierender, einander entfremdeter Figuren, entpersönlichter (also auch ihre Individualität nicht bewahrender) Menschenlarven.

Heute, hundert Jahre später, befinden wir uns ebenfalls in bewegten Zeiten – die in unseren Breiten zwar (noch) nicht von Krieg und Hunger, aber von zunehmender Verunsicherung und Existenzängsten geprägt sind. Das Auftauchen dystopischer Bilder von klimatischen, pandemischen und ökonomischen Katastrophen einerseits und biedermeierlicher Rückzug, Realitätsverweigerung oder Verschwörungsszenarien andererseits prägen aber umso mehr die Gegenwart.

Dort wie da liefert der Umgang der Gesellschaft mit den wechselnden Gegebenheiten Auswüchse ins Absurde und Komische, so ernst und tiefgreifend die gesellschaftlichen Umwälzungen auch sind.

Charms‘ Texte entlarven das unechte, erstarrte, bereits tote Leben, die unpersönliche Existenz, und das mit Humor. Radikal ist sein Interesse für das Böse, ohne es moralisch zu bewerteten. In seinen schrecklichen Erzählungen lache er darüber, indem er das Böse, die Beschränktheit, die Stumpfheit der Menschen bloßstelle. Diese Radikalität, der unsentimentale Blick auf die menschliche Existenz in ihrer Unbedarftheit und der schwarze Humor – all das macht ihn auch für das Theater im 21. Jahrhunderts so interessant.


KURIER 04.03.2021

https://kurier.at/kiku/absurdes-theater-eitel-und-ueberheblichkeiten-schamlos-bloss-gestellt/401202382

 

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