HIKIKOMORI

HIKIKOMORI

Eine Frau

Alleine

Mit ihrem Klavier,

Ihrem

SaXoPHoN,

Ihrer Stimme

Und den Stimmen in ihrem Kopf

Ein Theaterstück nach einer Idee von Jakub Kavin

Ein schizophrener Monolog

Geschrieben von Sophie Reyer

https://next.derstandard.at/story/2000102439298/schriftstellerin-sophie-reyer-schreiben-ist-schreien-klingen-sprache-muss-singen https://kurier.at/kultur/zugabe/autorin-sophie-reyer-hat-zwei-feinde-feigheit-und-muedigkeit/400503247

und Thyl Hanscho https://www.maxreinhardtseminar.at/thyl-hanscho

Eine TheaterArche Produktion

Mit Manami Okazaki

Regie: Jakub Kavin

Musik: Sophie Reyer

Was ist

HIKIKOMORI?

Auf unserer Forschungsreise nach Japan versuchten wir uns möglichst tiefgreifend mit dem Phänomen HIKIKOMORI auseinanderzusetzen.

 

HIKIKOMORI ist ein Begriff, der sich auf junge Menschen bezieht, die nach Schulverweigerung oder Arbeitsunfähigkeit viele Jahre zu Hause bleiben. Es ist ein Syndrom, das in Japan jeder kennt.

HIKIKOMORI ist eine japanische Volkskrankheit. Ein Phänomen das bald auch nach Europa überschwappen wird. Wahrscheinlich ist es sogar schon längst da. Es wird berichtet, dass in europäischen Gesellschaften, in denen die Familie und der familiäre Zusammenhalt eine wichtige Rolle spielen, das HIKIKOMORI Syndrom immer präsenter wird. In Spanien und Italien soll es bereits viele HIKIKOMORI Fälle geben.

Die Symptome von HIKIKOMORI sind vielfältig:

Magersucht und Überernährung können kontinuierlich auftreten.

Darüber hinaus leiden die Magersüchtigen häufig unter einer unbeschreibbaren und tief sitzenden Angst.

Eine körperliche Angst.

Eine Körperliche Angst vor der Fettleibigkeit.

Eine Körperliche Angst davor nicht akzeptiert zu werden.

 

Die Fettleibigen wiederum haben diese Angst wie es scheint überwunden:

Das Gefühl der Befreiung beim Überessen ist ein Gefühl der Befreiung gegen die eigene innere Stimme “Iss nicht zu viel.” Dieses Verbot ist die “innere Mutter”.

Der Mensch überwindet sein Elternhaus in dem er gefräßig wird.

Es wird angenommen, dass der Mensch eine Art Befreiung empfindet, wenn er zu viel isst.

Laut einer Forschungsstudie haben sich derzeit rund 700.000 Menschen in Japan zurückgezogen. Es ist äußerst schwierig, ein genaues Verständnis der

Rückzugsbevölkerung zu erhalten, aber die dadurch entstandenen gesellschaftlichen Probleme sind allgegenwärtig.

Das Problem mit dem langfristigen Rückzug ist, dass es äußerst selten ist, das Problem mit Selbsthilfebemühungen der Person oder der Familie zu lösen.

Gegenwärtig liegt das Durchschnittsalter der HIKIKOMORIS bereits bei 33 Jahren, was auf einen deutlichen Alterungstrend hinweist. Eine der Ursachen hierfür wird darin gesehen, dass es den wenigsten HIKIKOMORIS gelingt ihre Krankheit zu überwinden.

Die Gründe für den Rückzug sind vielfältig. Es gibt viele Möglichkeiten, mit verschiedenen Frustrationserfahrungen wie schlechten Noten, fehlgeschlagenen Prüfungen, Mobbing usw. zu beginnen, aber es gibt viele Fälle, in denen die Ursache oder der Auslöser unklar sind.

Darüber hinaus kann bei vielen HIKIKOMORIS eine psychische Erkrankung wie Schizophrenie vorliegen. Nach dem Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales können 80% der HIKIKOMORI-Syndrome als psychische Störung diagnostiziert werden.

Die wichtigsten psychiatrischen Störungen, die mit HIKIKOMORI einhergehen, sind Schizophrenie, soziale Angststörung, Zwangsstörung, Depression, tiefgreifende Entwicklungsstörung und ADHS.

Wie spielen wir HIKIKOMORI?

Manami Okazaki performt allein auf einer Bühne.

Ein Keyboard und ein Saxophon sind ihre Spielpartner

Sie verliert sich in schizophrenen Dialogen zwischen ihren Instrumenten, ihrem Gesang und ihrer Sprache. Ihr männliches wie ihr weibliches Ich stehen in Konkurrenz zu einander.

 

 

Ein intensives, überspanntes Nichtstun wechselt sich ab mit einem verwirrten, unkoordinierten, unterspannten alles gleichzeitig machen.

Zwangshandlungen nehmen überhand. Absurditäten nehmen ihren Lauf.

HIKIKOMORI Menschen sind entweder Messi oder aber über-korrekt und pingelig. Okazaki wird eine schizophrene Ausformung des HIKIKOMORI theatral erforschen.

Singend

Sprechend

Spielend

 

 

 

Wie erarbeiten wir

HIKIKOMORI?

Nebst unserer Forschungsreise nach Japan, die einen wichtigen Teil der konzeptuellen Vorbereitung ausgemacht hat, lag ein wichtiger Teil der vorbereitenden Arbeit im Zusammenstellen des künstlerischen Teams:

Mit Sophie Reyer ist es uns gelungen eine Schriftstellerin und Komponistin für unser Projekt zu gewinnen wie sie nicht passender sein könnte.

Sophies Romane FREIHEIT DER FISCHE und SCHILDKRÖTENTAGE zeugen davon, dass sie sich bereits mit ähnlichen Phänomenen wie HIKIKOMORI künstlerisch auseinandergesetzt hat. Thyl Hanscho, der den Text im dialogisch-schriftstellerischen Ping-Pong mit Sophie Reyer gemeinsam verfassen wird, ist jemand dem das Lebensgefühl von HIKIKOMORI nicht fremd ist. Seine Stücke – die zur Zeit bei verschiedenen Dramatikerpreisen reüssieren – zeugen davon, dass er vielschichtige Charaktere entwickeln kann, die das Menschsein in einer Gratwanderung ausloten. Reyer wie Hanscho sind zudem Sprachvirtuosen die auch einen großen Wert auf die Musikalität des geschriebenen Wortes legen.

Manami Okazaki wird sich der Aufgabe stellen dieser sprachlichen Musikalität gerecht zu werden. Nebst ihren professionellen Gesangskills wird sie zudem ihr langjähriges Studium am Klavier und Saxophon ins Stück einbringen. Außerdem wird sie mit internationalen TanzlehrerInnen (Marta Coronado, Jae-Duk Kim, Laura Arís Alvare) an einem Bewegungrepertoire arbeiten, das es ihr ermöglichen wird den HIKIKOMORI auch in abstrakten körperlichen Abläufen darzustellen. Zudem ist Okazakis Bewusstsein, als Japanerin an ihrer deutschen Bühnensprache arbeiten zu müssen, ausgeprägt, ein laufender Unterricht somit selbstverständlich. Ihre schauspielerischen Fertigkeiten übt Okazaki nicht nur im Rahmen der regelmäßigen Schauspieltrainings der TheaterArche, sondern auch in diversen Workshops von angesehenen internationalen Theatermachern und Lehrern wie Arturas Valudskis und Steven Ditmyer.

HIKIKOMORI ist also für uns ein längerfristiger Prozess, ein Weg der Forschung und Entwicklung den wir gehen.

Zudem ist uns eines wichtig: HIKIKOMORI ist in Japan einerseits eine Volkskrankheit, andererseits aber auch ein Tabu. Es ist also unser Ziel möglichst bald nach der Wiener Premiere dieses Stück auch in Japan auf die Bühne zu bringen. Auf Japanisch.

H I K I K O M O R I

Ab 19. März 2020 in der TheaterArche, 1060 Wien

Ab Mai 2020 in Japan.